Klimawandel

Heute versuchen wir etwas ganz Anderes: Achtung Wissenstransfer!

Alle reden über den Klimawandel – ich auch.

Ein Freitag im August 2018 – Ein unbekanntes Mädchen setzt sich vor die Schule mit einem Pappschild in der Hand. Auf dem Schild steht irgendwas von Klima, und keiner schaut hin.  Nur ein Jahr später hat dieses Mädchen eine weltweite Bewegung in Gang gesetzt. Millionen von Menschen gehen weltweit auf die Straße und demonstrieren für bessere Klimapolitik.

Man beachte die geschickte positiv-Formulierung. Ich hätte auch schreiben können: „Sie demonstrieren gegen den Klimawandel.“ Aber ist die Geschichte nicht viel schöner, wenn man sich vor Augen hält, dass diese Menschen für ein Ziel eintreten, statt wie so oft nur „Dagegen“ zu sein?

Spätestens seit Schüler massenhaft für ihre eigene Zukunft demonstrieren, statt in die Schule zu gehen, verlieren in der Diskussion viele den Überblick. Dies ist der Versuch, etwas Übersicht zu schaffen. Wir beginnen mit den Grundlagen:

Gibt es den Klimawandel?

Ja, und er wird durch den Menschen verursacht. Da sind sich 99% aller Wissenschaftler einig. Außerdem leugnet Donald Trump den Klimawandel – aus meiner Sicht der deutlichste Beweis, dass der Klimawandel real ist. Seit der Industrialisierung ist die Temperatur um bisher 1°C gestiegen.

Ich habe gehört/gelesen, der Klimawandel ist eine Lüge.

Es gibt viele Menschen, die nicht an den Klimawandel glauben oder nicht daran glauben wollen. Eine häufige Ursache dafür ist Angst. Der Klimawandel kann Angst machen, da ist „Augen verschließen“ eine verständliche Reaktion. Eine Lösung ist das aber nicht. Dass weiß jeder, der schon einmal versucht hat, die nächste Klausur oder seine Abschlussprüfung zu ignorieren.

Aber die Temperaturen haben sich doch früher schon verändert.

Ja, aber eben nur lokal in bestimmten Regionen. Hier geht es darum, dass es global/weltweit gleichzeitig wärmer wird. Den Temperaturverlauf der letzten 20.000 Jahre hat xkcd.com anschaulich dargestellt. Du siehst den Unterschied…

Was passiert beim Klimawandel?

Vieles. Insbesondere wird es heißer. Speziell geht es darum, dass auf der Erde die weltweiten durchschnittlichen Temperaturen steigen. Neben überfüllten Freibädern im Sommer entstehen daraus noch ein paar andere Probleme, die sich nicht durch einen eigenen Swimmingpool im Garten beheben lassen.

In vielen Gegenden wird es trockener und der Meeresspiegel steigt. Gut beobachten lässt sich der Klimawandel aktuell in deutschen Wäldern, die dieses Jahr in weiten Flächen absterben.

Sehr anschaulich hat Samuel Kramer die Folgen des Klimawandels zusammengefasst.

Woher kommt der Klimawandel?

Treibhausgase in der Atmosphäre heizen die Erde auf. Die wichtigsten sind Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N20).

Kohlendioxid entsteht vor allem bei Verbrennung von Kohle, Erdöl, Erdgas oder Holz, aber auch bei der Herstellung von Zement.

Methan und Lachgas entsteht vor allem in der Landwirtschaft, wenn Schweine oder Kühe furzen.

Schweine und Kühe furzen uns die Erde warm?

Leider ja. Methan ist ein 25fach stärkeres Klimagas als CO2. Daher macht ein bisschen Kuhfurz schon was aus. Der Hauptpunkt dabei ist aber ein anderer: Für die Viecher werden große Futter- und Weideflächen benötigt. Dafür werden Wälder abgeholzt und verbrannt, was zusätzlich CO2 freisetzt. Insgesamt verursacht die Landwirtschaft in Deutschland 7,3% aller Treibhausgasemmissionen. Das ist zwar nicht der größte Brocken, aber doch ein Anteil.

Was verursacht die meisten CO2-Emmissionen?

Die größten CO2-Verursacher 2016 waren:

  1. Strom, Wärme, Energie (42%)
  2. Verkehr (24%)
  3. Industrie (19%)
  4. Gebäude (8%)

Beachte: Die Landwirtschaft taucht hier nicht auf, weil Landwirtschaft in erster Linie Methan und Lachgas freisetzt, aber kein CO2.

Aber Deutschland verursacht doch nur 2% der weltweiten CO2-Emmissionen.

Das ist richtig. Wir stellen aber auch nur 1% der Weltbevölkerung. Einfacher Dreisatz ergibt also: Wenn alle Menschen so lebten, wie die Deutschen, gäbe es doppelt so viel CO2-Emmissionen – und deutlich mehr Antragsformulare als der Welt gut täte.

Weltweit liegt Deutschland bei den Pro-Kopf-CO2-Emissionen übrigens auf Rang 11 und damit noch vor China und ganz deutlich vor Indien. Es gibt also genug Grund, besser zu werden.

Und was hat Fridays for Future damit zu tun?

Aus irgendeinem Grund sind viele SchülerInnen der Meinung, es wäre clever, unseren Planeten nicht vollständig zu verheizen. Wie kommt man nur auf so etwas? Aber nachdem die Elbphilharmonie endlich fertig geworden ist, wäre es doch schade, wenn sie in 20 Jahren schon wieder absäuft, und man dort nur noch „Der Taucher“ aufführen kann, oder?

FFF fordert übrigens lediglich eine bessere Klimapolitik zur Einhaltung des 1,5°-Ziels. Sie sagen nicht, dass sie alle Lösungen schon fertig in der Tasche haben. Der Einfachheit halber hat FFF ihre Forderungen übersichtlich zusammengefasst, und auch ihre FAQs lesen sich sehr gut.

Sollten die Schüler nicht lieber in die Schule gehen und am Samstag demonstrieren?

Interessante Frage, die hat mit dem Klimawandel aber nichts zu tun. Die Erde ist Freitag genau so heiß wie Samstag: +1°C gegenüber der vorindustriellen Zeit. Das aktuelle Thema ist Klimawandel und nicht Stundenpläne.

Darf man mit dem Auto zur Fridays-for-Future-Demo fahren?

Ja, darf man, sofern man einen Führerschein hat. Autos auf dem Weg zur Demo verbrauchen nicht mehr Sprit als andere Autos auch. Nicht die Anreise zur Demo ist entscheidend, sondern dass man überhaupt hingeht und seine Stimme erhebt.

Können wir jetzt wieder aufhören mit dem Finger auf andere zu zeigen, und stattdessen Lösungen diskutieren? Wenn Du helfen willst, organisiere FFF-Fahrgemeinschaften, das reduziert den Spritverbrauch.

Darf ich mich von Greta Thunberg genervt fühlen?

Ja, darfst du, aber auch das hat nichts mit Klimawandel zu tun. Die einzig spannenden Fragen sind: „Hat sie Recht?“ und „Was kannst Du von ihr lernen?“

Müssen wir jetzt alle radfahrende Veganer in Juteklamotten werden, die in ungeheizten Wohnungen grünen Tee trinken und Kniffel spielen, statt Netflix zu schauen?

Nein, das wird nicht nötig sein. Wobei Kniffel ein schönes Spiel ist.

Ganz ohne Veränderungen wird die Klimawende aber nicht gelingen. Bei näherer Betrachtung ist die Vorstellung von mehr Wäldern sowie Städten mit sauberer Luft, gut funktionierendem ÖPNV und Solarflächen auf dem Dach aber auch gar nicht schrecklich, oder?

Was müssen wir tun?

Kurz gesagt: Mehr Bäume! Dafür weniger Erdöl, Erdgas und Kohle!

Jede Tonne Erdöl, Erdgas oder Kohle, die wir fördern, wird früher oder später verbrannt und dadurch zu CO2. Einen Teil des CO2 können wir wieder einfangen, indem wir große Waldflächen aufforsten. Auf Dauer aber müssen wir aufhören, Kohlenstoff auszubuddeln, der seit Millionen Jahre sicher unter der Erde lag.

Denkbar wäre auch, wiederholt schnell wachsende Bäume anzupflanzen, um diese dann zu schlagen und zu vergraben. So würde Kohlenstoff wieder dauerhaft unter die Erde wandern und kann nicht mehr als CO2 in die Atmosphäre gelangen.

Ist Klimaschutz nicht viel zu teuer?

Ja, Klimaschutz kostet Geld. Zum Glück aber gibt es in Deutschland reichlich davon, wenn auch oft an den falschen Stellen. Z.B. könnten wir die Subventionen für Kohle, Erdgas und Erdöl in erneuerbare Energien umlenken. Das gäbe bereits ein jährliches Budget von 57 Mrd. Euro.

„Kein Klimaschutz“ kostet übrigens deutlich mehr Geld. Die Folgekosten des Klimawandels werden von verschiedenen Studien geschätzt auf bis zu 180 € pro Tonne CO2, und ich glaube, da ist die notwendige Staumauer entlang der Nordseeküste noch nicht mit einberechnet.

Aber das kostet doch Arbeitsplätze.

Ja, wer sein Geld heute noch mit Braun- oder Steinkohle verdient, muss wohl umschulen. Dafür entstehen zahlreiche Arbeitsplätze in neuen Branchen.

Ja, Klimaschutz verschiebt Arbeitsplätze. Dafür kostet Klimawandel Menschenleben, z.B. 8.000 Todesfälle im Jahr 2003 allein in Deutschland.

Was hat Plastik damit zu tun?

Plastik wird aus Erdöl gewonnen. Zur Herstellung von einer Tonne Plastik benötigt man zwei Tonnen Erdöl. Wer Plastik spart, spart also auch Erdöl.

Die Plastikmüllberge in den Ozeanen haben mit dem Klimawandel allerdings nichts zu tun. Klimatechnisch gesehen ist das Verklappen großer Plastikmengen im Ozean sogar eine gute Idee, weil das Plastik dort über Jahrhunderte bleiben kann und so kein CO2 in die Luft gelangt. Es gibt aber genug andere gute Gründe, Plastik nicht in den Weltmeeren zu entsorgen. Also lasst das besser bleiben.

Gibt es auch einfache Lösungen?

Ja, gibt es, zumindest eine einfache Teillösung. Die könnte auch sofort umgesetzt werden und sie kostet noch nicht mal Geld: Ein Tempolimit auf Autobahnen spart jährlich 3 Mio Tonnen CO2.

Was kann ich denn gegen den Klimawandel tun?

Endlich, ich dachte, Du würdest nie fragen. Aktiv werden kannst Du auf mehreren Ebenen:

  1. Lebe selber nachhaltiger. Tipps dazu gibt es reichlich im Internet.
  2. Rede mit anderen Menschen. Gewinne sie für das Thema.
    (Achtung: Klimawandel kann polarisieren. Hört einander zu und lernt voneinander. Beide Seiten!)
  3. Unterstütze Aufforstungsprojekte.
  4. Werde politisch aktiv.

Ach, es ändert sich ja doch nichts.

Doch tut es: Seit 1990 sind die CO2-Emmisionen in Deutschland um fast 25% zurückgegangen, Methan-Emmissionen sogar um 50%. Das ist doch ein Anfang, und wenn man zurückblickt: So richtig schlimm weh getan hat uns die Einsparung bisher nicht, oder? Also, was machen wir als nächstes?


Das Thema ist damit sicher noch nicht zu Ende, aber als erster Überblick soll es für heute reichen. Was hättest Du gerne als nächstes? Welches Teilthema interessiert Dich besonders? Weitere Fragen? Schreib einen Kommentar und ich werde antworten.

2 thoughts on “Klimawandel

  1. Super Erklärung. Selbst für etwas weniger intelligente Leute gut verständlich und hoffentlich auch einsichtig. Jeder kann mithelfen. Fangen wir bei unserem eigenen Verhalten an.

    1. Danke sehr! Nicht wirklich eine direkte Frage, aber ich verstehe sie mal als „Wie kann man den eigenen Lebensstil anpassen?“ Ein paar Tipps hatte ich seinerzeit als Antwort auf Samuels Text zusammengestellt:

      #Konsum:
      – Bevorzuge lokal produzierte Produkte (weniger Transport heißt weniger CO2).
      – Iss weniger Fleisch und Milchprodukte (Nein, Du musst nicht gleich vegan werden).
      – Kaufe nur was Du auch brauchst. (viele Ideen dazu hat http://andreas-arnold.blogspot.com/)
      – Wenn Du etwas nicht mehr brauchst, gib es weiter, statt wegzuwerfen. (Z.B. über eine Kleinanzeige auf quoka.de)
      – Vermeide Müll (Nimm Mehrweg statt Einweg oder noch besser gleich unverpackt einkaufen https://kuechenironie.de/unverpackt/).

      #Verkehr:
      – Fliegen ist Klimakacke. Flieg weniger. Urlaub ist auch in Frankreich schön, und den gesparten Preis für das Flugticket kann man in regionalen Rotwein investieren.
      – Fahr ÖPNV statt Auto.
      – Wenn doch Auto, bilde Fahrgemeinschaften. Oft fährt dein Nachbar in die gleiche Richtung.
      – Fahr Fahrrad – gerne auch Elektrofahhrad. (Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung)
      – Wenn’s unbedingt ein Auto sein muss: Ein kleineres tut’s auch, und vielleicht kannst Du manchmal auch deinen Nachbarn mitnehmen, z.B. wenn ihr gemeinsam zur FFF-Demo fahrt)

      #Haus/Wohnung
      – Packe dein Haus warm ein. Eine gute Isolierung spart Heizenergie. Nicht umsonst wohnen wir im Land der Dichter und Dämmer.
      – Wechsle zu Öko-Strom (https://www.entega.de/oekostrom/)
      – Für Gasheizungen: Wechsle zu Öko-Gas. Das ist keine Dauerlösung, hilft aber bei Wiederaufforstung. (https://www.entega.de/oekogas/)
      – Heize vernünftig, das spart CO2 und Geld. (https://utopia.de/ratgeber/richtig-heizen-energiesparen/)

      Du musst nicht alle Tipps befolgen. Suche Dir die aus, die Spaß machen.

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