Elterntaxis

Neulich bin ich morgens wieder mal an einer Schule vorbeigekommen. Vielleicht war es auch eine Autobahn, denn so genau lässt sich dies nicht mehr unterscheiden. Je nach Schule werden mittlerweile bis zu 70% aller Kinder mit dem Auto zur Schule gefahren. Wären die Schulhöfe nicht von Eisenzäunen umschlossen, würden die Eltern ihre Sprösslinge wohl noch bis zum Klassensaal fahren.

Lange ging ich davon aus, dass die Schulzäune lediglich vor nächtlichem Vandalismus schützen sollen. Angesichts der Szenen, die sich täglich vor deutschen Schulen abspielen, darf dies jedoch bezweifelt werden. Befreundete Schulhausmeister wollten sich sich dann auch nicht zu der Vermutung äußern, dass statt der Schultore ursprünglich Anti-Terror-Poller – auch bekannt als „Nizzasteine“ – installiert werden sollten.

Nizzastein

Die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme wäre jedoch fraglich. Zwar können Poller der Zertifikatsklasse K4 einen LKW mit 30 km/h stoppen, angesichts des Fahrstils mancher Papas und der heutigen Größe typischer Mama-SUVs darf jedoch bezweifelt werden, dass einfache K4-Poller paranoide Eltern vom morgendlichen Helikoptern abhalten würden.

Da hilft es auch nichts, dass mittlerweile sogar der ADAC offen vor dem erhöhten Unfallrisiko durch Elterntaxis warnt. Denn selbstverständlich kann man 8jährige Kinder nicht einfach alleine auf die Straße lassen. Erst neulich ist wieder ein Viertklässler frontal gegen einen Laternenmast gelaufen, nur weil dieser auf seinem Smartphone-Navi nicht eingezeichnet war.

Die Ursache für die Elterntaxiblechlawine liegen natürlich an den katastrophalen Schulwegen. Denn wo wir früher zumeist lediglich 2 bis 3 Kilometer zur Schule im Nachbarort laufen mussten, betragen heutige Schulweglängen nicht selten 800 Meter und weniger – Entfernungen, die sich ohne Allrad-Antrieb und GPS kaum noch überwinden lassen.

Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass so ein Schulweg zu Fuß die Entwicklung der Kinder fördert, immerhin beinhaltet er einen Aufenthalt an der frischen Luft, Bewegung und oftmals spielen, schwatzen und Herumalbern mit Freunden. All das ist dem modernen Schüler aber nicht zumutbar, kostet dies doch wertvolle Lebenszeit, die dann nicht vor Fernseher oder PlayStation verbracht werden kann.

Was ich an den Elterntaxis aber bis heute nicht verstehe: In unserer Stadt schicken in etwa 70% aller Eltern ihre Kinder aufs Gymnasium, weil sie glauben, ihr Kind ist für den höchstmöglichen Schulabschluss prädestiniert. Gleichzeitig aber sind eben diese Eltern davon überzeugt, dass ihre 12jährigen Kinder einen Fußmarsch von 800 Meter nicht alleine bewältigen können.

Es gibt viele Initiativen, die sich für einen Schulweg zu Fuß einsetzen. Schaut gerne mal auf das Aktionsplakat von zu-fuss-zur-schule.de, oder das Kurzvideo vom NDR (Facebook).

Vielleicht bevorzugt ihr aber auch die neue Modellschule aus NRW:

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