Und Du noch viel scheißerer…

Wir wohnen direkt an einer Kneipe, da ist manchmal was los. Eines Abends hörten wir erst Streit von der Straße, dann Angstschreie.

Ich bin aus dem Haus gelaufen und sah, wie ein Mann auf eine Frau einschlug, die am Boden lag. Hautfarbe, Haarlänge und Parteizugehörigkeit konnte ich in der Dunkelheit nicht erkennen. Die war mir aber auch egal…

„Hey, du asoziales, kurzschwänziges Gesellschaftsarschloch!“, brüllte ich ihn an. „Hat deine Mutter Dir so oft Rattenkot zu futtern gegeben, dass dein Hirn nur noch Scheiße enthält? Du kannst Deine Minderwertigkeitskomplexe und pädophilen Fantasien doch nicht kompensieren, indem Du die Frau schlägst. Hör sofort auf damit!“

Der Mann schaute zu mir, dann richtete er sich auf. Er war erstaunlich groß und breitschultrig, wie ich feststellen musste. Langsam kam er auf mich zu, spannte die Nackenmuskeln und brummte gefährlich leise: „Ja, du hast recht! Da habe ich mich bei der ursprünglichen Bewertung der Faktenlage wohl geirrt. Vielen Dank, dass Du mich darauf aufmerksam machst.“

Dann half er der Frau wieder auf die Beine. Gemeinsam gingen wir drei in die Kneipe und haben ein Bier miteinander getrunken. Dabei haben wir über verschiedene Formen des friedlichen Zusammenlebens geplaudert und Pläne für die zukünftige Gestaltung unserer Gesellschaft geschmiedet.


Wer glaubt, dass die Begegnung so verlief?

Wenn aber keiner glaubt, dass es so funktioniert, warum verhalten wir uns dann nicht anders, wenn wir auf solche Menschen treffen?

Die letzte Bundestagswahl zeigt auch: Es hat nicht geholfen, alle zu beschimpfen und anzuschreien, die uns nicht gefallen. Es ist Zeit, sich etwas Neues einfallen zu lassen.

Der Anfang der Geschichte ist übrigens wahr, doch wie ging es danach weiter? Das soll ein anderes Mal erzählt werden.

 

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